Um die Fragestellung “Wie wirken sich die Trends New Work, Gig Working und Silver Society auf Weiterbildungsanbieter, Trainer, Berater und Coaches aus? Und sehen die Zukunftsthesen für Weiterbildungsanbieter aus?diskutierten wir in dem interaktiven Format Spinnsession im Josephs, bei der sich die Diskussion glücklicherweise nie im Kreis drehte, sondern auf der Zielgeraden viele spannende Erkenntnisse lieferte.

 

Megatrends VUKA-Welt, New Work und Agilität

 

Eines vorweg: Aus meiner Sicht laufen die Diskussionen rund um die Megatrends VUKA-Welt, New Work, Agilität usw. oft auf einem, nun ja, recht abgehobenem Niveau ab. Natürlich sind diese Trends nicht  aus der Luft gegriffen, sondern äußerst real und auch gerade dabei, die (Arbeits-)Welt rasant und nachhaltig zu verändern. Nichts desto trotz, sind sie in der Lebens- und Arbeitswelt der Durchschnitts-Bevölkerung noch nicht in dem Maße angekommen, wie sie in den Management-, Berater-, und Trainingskreisen diskutiert werden. Damit wir als Weiterbildungsanbieter möglichst viele Menschen, die in Unternehmen arbeiten, erreichen, müssen wir sie auch mit solchen Angeboten ansprechen, welche sie in ihrer Lebenswelt abholen und für ihre Sprache verständlich sind. Aber wie?

 

Flexibilität durch New Work

 

Doch kommen wir zunächst zu den drei in der Spinnsession diskutierten Trends und was diese für Weiterbildner in Zukunft bedeuten könnten:

New Work ist gekennzeichnet von zeitlicher, räumlicher und organisatorischer Flexibilität und sich stark verändernden Arbeitsräumen und Unternehmensstrukturen und postuliert Grundwerte wie Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe. Eben diese Eigenschaften und Werte finden sich auch in den diskutierten Handlungsempfehlungen an Weiterbildnerinnen wieder:

  • Das Fördern von offener Kommunikation, Kreativität und Reflexionsfähigkeit. Insbesondere die Reflexionsfähigkeit ist ein wichtiger Baustein in der Weiterbildung und Unterstützung von Menschen und Mitarbeitern in den New Work Zeiten. New Work macht neue Freiheiten und neue Arbeitsformen möglich, bei welchen Kommunikation und Kreativität noch mehr gefordert sind. Viele Menschen kennen aber das selbstständige und freiheitliche Arbeiten in agilen Kontexten noch gar nicht und müssen erst lernen, damit umzugehen und sich darin zurecht zu finden.
  • Die Motivation und Begeisterung zu lebenslangem Lernen. Auch wenn das lebenslange Lernen schon seit Jahrzehnten in der Erwachsenenbildung diskutiert wird, gewinnt es immer noch stark an Bedeutung. Wenn im Kontext von New Work gewohnte Erwerbsbiographien verschwimmen und sich verlängern und die Selbstverantwortung einzelner Mitarbeiter stetig zunimmt, wird lebenslanges Lernen wichtiger denn je.

 

Neue Chancen für Gig Working

 

Wenn der zweite diskutierte Trend Gig Working dazu führt, dass sich Beschäftigungsverhältnisse weiter ausdifferenzieren, die Betriebszugehörigkeiten von Mitarbeitern stetig abnimmt bzw. in Unternehmen stetig mehr freie Mitarbeiter beschäftigt sind, bedeutet dies für Weiterbildner:

  • Zunächst neue Chancen durch neue Zielgruppen, Bedarfe, Angebote und Formate, welche durch die neue Arbeitsform entstehen. Gefordert sind somit aber auch Offenheit und Anpassungsfähigkeit. Denn so schnell „Gig-Worker“ bei Unternehmen anheuern und für diese tätig sind, sind sie auch wieder weg – und ebenso schnell müssen Weiterbildnerinnen mit flexiblen Angeboten am Markt sein, um diese Zielgruppe ansprechen und bedienen zu können.
  • Ein zweiter Aspekt welcher hier diskutiert wurde, ist der höhere Grad an Selbstverantwortung, welchen Arbeitnehmer zwangsläufig annehmen müssen, wenn sie nicht mehr so eng und lange an ein Unternehmen gebunden sind. Aus diesem Grund entsteht der Auftrag an alle Akteure der Weiterbildung (beruflich, betrieblich, politisch, kulturell, allgemein) die Menschen bei diesen neuen Arbeitsformen zu begleiten und zu unterstützen. 

 

Zusammenarbeit zwischen Generationen – Silver Society

 

Dank des bunt gemischten Teilnehmerkreises der Spinnsession wurde in der letzten Runde die Generationen-Frage rund um den Trend Silver Society noch heiß diskutiert. Was bedeutet es, wenn sich klassische Erwerbsbiographien (Ausbildung, Arbeit, Pension) verändern, aufweichen oder erweitern?

  • Für Weiterbilder wird es hier zunehmend wichtiger, den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen zu fördern. Wie oben schon beschrieben geht es darum, neue Zielgruppen anzusprechen (z.B. Rentnerinnen, deren Kompetenzen weiterhin in Unternehmen gefragt sind) und neue Formate und Angebote anzubieten (intergenerationale Workshops und Coachings in Unternehmen).

Zusammenfassend geht es für die Anbieter von Weiterbildung also darum, stets offen und bedarfsorientiert vielschichtige Angebote für verschiedenste Zielgruppen zu gestalten, dabei die Menschen zu begleiten und Reflexionsprozesse zu ermöglichen. Der bunte Strauß aus verschiedensten Formen von Training, Coaching und Beratung wird also noch bunter. Um auf meine einleitende Frage zurückzukommen: Bei aller Begeisterung und Relevanz von agilen Arbeitsformen und der damit einhergehenden Trends. Wir sollten dabei weiterhin alle Mitarbeiter und Menschen im Blick haben und auf ihre sehr individuellen Lernbedürfnisse schauen. Egal ob High Potentials von der Uni, Führungskräfte, Scrum Master, ITler, Schichtführer in Industrieunternehmen und Sachbearbeiter in der Verwaltung: Die (Arbeits-)Welt dreht sich schneller und wir Weiterbildner sollten alle Menschen in Unternehmen bei diesen Strömungen begleiten und unterstützen.