Die wundersame Vermehrung von Einkaufsposten

Beim Lebensmitteleinkauf schreibe ich mir schon lange eine Einkaufsliste in mein iPhone. So spare ich nicht nur Zeit und meistere bestmöglich den Spagat zwischen Job und Privatleben, sondern ich gerate auch nicht in Versuchung, mehr einzukaufen, als auf der Liste steht. Denn ohne Liste ist der Einkaufswagen schnell voll: Nervennahrung für mich, ein Mitbringsel für die Lieben, da eine Kleinigkeit … und schon ist es passiert und die Einkaufsliste scheint sich auf wundersame Weise verdoppelt zu haben.

Wie aber sieht der Einkauf im Baumarkt aus? Haben wir es auch dann mit einer wundersamen Verlängerung der Einkaufsliste zu tun, wenn wir nur ein paar Schrauben brauchen, um ein neues Regal zu montieren?

Kennen Sie Ihr Einkaufsverhalten?

Sind Sie im Baumarkt resistent gegen jegliche Verführung und komplett auf den Kaufvorgang fokussiert? Oder lassen Sie die Augen auch einmal durch die Hochregale wandern?
Sprechen Sie einen Fachverkäufer an mit der Bitte, Ihnen genau die Schrauben plus passende Unterlegscheiben herauszusuchen, die Sie brauchen? Oder gehen Sie – ganz Herr oder Frau der Lage – schnurstracks in die entsprechende Schraubenabteilung, stellen Ihre Artikel zusammen, lassen vielleicht noch einen kleinen Blick über die Schraubendreher gleiten und dann aber ab zur Kasse?

Selbst ist die Frau

Ich gestehe: Ich gehöre der zweiten Kategorie an. Nur in Notfällen werden Fachverkäufer in meinen Kaufprozess involviert. Ansonsten gilt das Motto: Selbst ist die Frau!
So auch bei meinem Spontan-Ruckzuck-Einkauf vergangenes Wochenende im Baumarkt meiner Wahl. Nachdem ich mir einen Einkaufskorb geschnappt und zielsicher in die Schraubenabteilung marschiert bin, dort auch tatsächlich die passenden Schrauben nebst Unterlegscheiben gefunden hatte, war ich bereits komplett auf der Zielgeraden Richtung Kasse, als mich eine Verkäuferin ansprach:
„Oh, Sie haben bereits alles gefunden, oder benötigen Sie darüber hinaus noch etwas Farbe hinter dem Möbelstück?“ – Und schon war es um meine Zielgerade Richtung Kasse geschehen! Ja, natürlich brauchte ich Farbe. Das neue Möbelstück würde nur dann so richtig zur Geltung kommen, wenn auch die Wandfarbe sich entsprechend abheben würde. Woher wusste die Verkäuferin das? War sie bereits bei mir zu Hause, habe ich meine Wünsche leise vor mich her genuschelt oder … war sie einfach nur top geschult in Sachen Kundenkontakt? Denn wer geht davon aus, dass man bei einem Schraubenkauf auch gleich noch ein komplettes Zimmer renoviert?

Gekonntes Upselling: ein, zwei Amaryllis gehen immer

Die Fachexpertin hatte mich auf jeden Fall an der Angel. Wir kamen ins Fachsimpeln, sie begleitete mich zur Farbabteilung und dort suchten wir „gemeinsam“ eine Farbe aus, die sie mir auch gleich anmischte. Selbstverständlich hatte ich anschließend auch die passenden Pinsel und Abklebematerialien im Einkaufskorb.

Während des angenehmen und positiven Gesprächs erschien vor meinem inneren Auge bereits das neue Möbelstück mit passendem Hintergrund und ich war so in meiner farbenprächtigen Gefühlswelt versunken, dass ich gar nicht merkte, wie die Verkäuferin mit mir nicht direkt den Weg zu den Kassen ansteuerte, sondern einen kleinen Bogen zu den frisch angelieferten Pflanzen lief. Nun erhielt auch noch mein Geruchssinn eine so starke Duftexplosion, wer kann da schon wiederstehen? Also packte ich auch noch zwei Amaryllis in den Einkaufskorb und marschierte dann straight zur Kasse.

Dreamteam: Empathie und Expertise

Nachdem die Artikel im Kofferraum verstaut waren, klemmte ich mich hinter das Lenkrad und fuhr nach Hause. Ich war nicht nur höchst angetan von der unaufdringlichen Verkaufsstrategie dieser Fachverkäuferin, sondern auch von ihrer Feinfühligkeit. Sie hatte mich auf der einen Seite aufgrund ihres breitgefächerten Fachwissens, aber auch durch ihre subtile Herangehensweise tatsächlich in ihren Bann gezogen.

Alexandra Schlierf-Zühlcke