Den ganzen Tag beschäftige ich mich damit, wie Unternehmen ihren Kundenkontakt erfolgreich gestalten können und wie wir das in den Unternehmen am besten umgesetzt bekommen. Das heißt, einen Großteil meiner Zeit verbringe ich damit, das Verhalten von Mitarbeitern zu professionalisieren, dabei deren persönliche Individualität zu wahren und mit den Unternehmenszielen in Einklang zu bringen, vorteilhafte Facetten herauszuarbeiten und manchmal auch andere Facetten zu kaschieren. Damit Mitarbeiter und Unternehmen die Kunden zum Strahlen bringen und SPARKLE entstehen kann.

Morgen, morgen, nur nicht heute …

Wir Menschen haben ein paar bauliche Defizite, wenn es um Veränderungen geht. Wir wollen alles von Natur aus so einfach und bequem haben wie nur möglich. Dafür ist unser Gehirn verantwortlich. Es möchte mit möglichst geringem Energieaufwand durch das Leben kommen. Alles, was kurzfristig Erfolg und schnelle Belohnung verspricht, ist scheinbar gut, alles, was nach Aufwand aussieht, ist erst mal schlecht und sollte aus Gehirnsicht vermieden werden. Warum also vom Sofa aufstehen, wenn ich doch gerade so bequem sitzen kann? Warum Salat essen, wenn ich Schokolade haben kann? Warum heute den Kunden anrufen, wenn ich das auch morgen erledigen kann? Ja, warum denn?

Wozu denken, wenn ich doch alles bequemer auf Autopilot erledigen kann? Da der Autopilot weniger Energie braucht als das Denken, ist denken aus Sicht unseres Gehirns eine Anstrengung, die es tunlichst zu vermeiden gilt. Das ist übrigens auch der Grund, warum Trainingstage so anstrengend sind. Doch um Verhaltensänderungen zu erzielen, müssen wir denken, umdenken und uns anstrengen. Sonst wird das nichts mit den Veränderungen und wir fallen allzu schnell wieder in die alten, bequemen Muster zurück.

Meine On-off-Beziehung zum Sport

Wie schwer und langwierig es mitunter sein kann, Verhalten zu verändern, schildere ich Ihnen am besten an einem Beispiel. Und weil ich grundsätzlich nicht über Trainingsinterna spreche, verwende ich ein sehr persönliches Beispiel: meine Sportgewohnheiten und ich.

Uns verbindet eine lange und leidenschaftliche On-off-Beziehung. Leider blieb gerade in den letzten Jahren nicht genügend Zeit für meinen Sport. Das hat mich zwar geärgert, trotzdem war vieles andere immer wichtiger. Einiges davon war wirklich wichtiger, vieles andere aber war eher eine willkommene und bequeme Ausrede.

Wenn der Schmerz groß genug ist

Vor zwei Jahren hatte ich mich beim Beladen meines Autos ganz unglücklich verrissen, mit dem Ergebnis, dass ich mich tagelang kaum mehr bewegen konnte. Mein Arzt sagte mir damals: „Frau Arzani, Sie müssen unbedingt regelmäßig etwas für Ihren Rücken machen und Muskulatur aufbauen.“ Ja, klar. Sehe ich ein. Mache ich.

Vier Wochen lang lief ich freiwillig nur in flachen Schuhen durch die Gegend. Wer mich kennt, weiß wie ungewöhnlich das ist. Ich absolvierte auch brav meine Übungen. Ich war eine vorbildliche Patientin. Dann war wieder alles gut, die Schmerzen waren weg. Mein ganzes Schuhregal stand mir endlich wieder zur Verfügung, und der Sport war auch nicht mehr so wichtig. Ehe ich mich versah, war ich also schon wieder in alte Muster zurückgefallen. Dabei hatte ich so gute Vorsätze.

Zwei Jahre später wachte ich eines morgens auf und kam nur unter allergrößten Mühen aus dem Bett. Ich hatte dieselben Symptome wie damals bei der Autogeschichte, nur dass ich diesmal gar nichts gemacht hatte. Schlagartig kamen mir die Worte des Arztes wieder in den Sinn: „Frau Arzani, Sie müssen …“, und das obwohl ich mich ein Jahr und elf Monate daran nicht mehr erinnert hatte. Das war ein äußerst geistesgegenwärtiger Moment meines Gehirns.

Wie wir den Autopiloten im Gehirn austricksen

Diesmal ging ich mit eisernem Willen und meinem ganzen Wissen um Zielsetzung und Motivation an die Sache. Sobald ich mich wieder einigermaßen bewegen konnte, reaktivierte ich meinen über viele Jahre bezahlten, doch schon lange nicht mehr genutzten Online-Trainings-Account, suchte mir das leichteste Rückenprogramm aus, das es im Angebot gab und startete einfach. Jeden Tag von Montag bis Freitag rollte ich morgens vor dem Frühstück meine Matte aus, klappte meinen Laptop auf und machte unter freudestrahlender Anleitung aus dem Internet meine Übungen.

Dabei war ich bis dahin felsenfest der Meinung gewesen, dass Sport vor dem Frühstück für mich persönlich extrem schädlich sei. Doch diesmal war ich entschlossen und bereit, den Kampf mit meinen Gewohnheiten aufzunehmen. Und vor dem Frühstück war das einzig realistische Zeitfenster, das ich zuverlässig jeden Tag leisten konnte. Ich wusste, es musste jeder Wochentag sein und keinesfalls nur jeder zweite, damit mein Gehirn sich auch daran gewöhnte und sich eine neue Routine einstellen konnte.

In der ersten Woche war ich nachmittags so müde, dass mir fast der Kopf auf die Tischplatte fiel und ich Mühe hatte, meine Augen offen zu halten. Zum Glück hatte ich zu der Zeit noch keine Trainingstermine. In der zweiten Woche ging es schon besser. Wenn ich unterwegs war, packte ich meine Matte in den Koffer und lernte Hotelzimmer aus ganz neuen Blickwinkeln kennen. Außer am Wochenende kämpfte ich mich Tag für Tag durch mein Programm. Und am Anfang kämpfte ich wirklich! Langsam machte ich Fortschritte. Mir ging es viel besser.

Geschafft!

Der Moment als ich wusste, jetzt habe ich es wirklich geschafft, war ein Home Office-Tag. Nachdem ich die Nacht vorher sehr spät von einem Training zurückgekommen war, wollte ich erst die Kinder zur Schule bringen und meinen Sport ausnahmsweise danach machen. Ich saß mit meinen Kindern beim Frühstück und dachte plötzlich, „Das fühlt sich jetzt aber komisch an …“  Da wusste ich, es ist endlich geschafft!

Nach sechs disziplinierten Wochen hatte ich mein altes Verhaltensmuster durchbrochen und mein Gehirn hatte die neue Verhaltensroutine als „normal“ abgespeichert. Heute, seit über einem Jahr, bin ich immer noch dabei. Jeden Morgen, Montag bis Freitag, außer im Urlaub. Da schlafe ich dann lieber aus.