Ergebnisse aus dem Onlinekongress „Zukunft der Weiterbildung“ am 14. Mai 2020

Die Corona-Pandemie hat unsere Welt fest im Griff. Lockdown und Kontaktbeschränkungen haben in kürzester Zeit unsere Arbeitswelt überrollt. Wir erleben derzeit Mitarbeitende in drei Gruppen:

  • freigestellt oder in Kurzarbeit
  • im Homeoffice oder im Schichtbetrieb
  • da systemrelevant am Arbeitsplatz im Krisenmodus unter Einhaltung von strengen Hygieneregeln

Die Mitarbeitenden sind in vielen Fällen nicht mehr physisch im Unternehmen. Zusammenarbeit wird aufgrund der Pandemie anders organisiert. Workshops, Seminare oder sonstige Weiterbildungs­angebote wurden storniert oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Absolute Priorität liegt auf der akuten Krisenbewältigung und der stetigen Reaktion auf geänderte Verfügungen und Regelungen.

Was lernen wir daraus?

Ein Beispiel: Im Dezember 2019 lag die Anzahl der täglichen Nutzer bei dem Videokonferenzdienst ZOOM weltweit bei 10 Millionen. Vier Monate später im April 2020 nutzten ZOOM täglich 300 Millionen. Eine Steigerung von 300 %

Wenn also grundlegende Mechanismen nicht mehr wirken, wenn die Normalität in der Art und Weise wie wir zusammenarbeiten unverhofft zur Ausnahme wird und plötzlich unsere Produkte oder Dienstleistungen entweder nicht mehr nachgefragt werden oder die Dienstleistungserbringung politisch bestimmt ausgesetzt wird, dann ist es nachvollziehbar, dass der Gedanke an die Entwicklung der Kompetenzen der eigenen Mitarbeiter in den Hintergrund rückt.

Gleichzeitig entsteht aus diesen großen Veränderungen aber auch ein neuer Bedarf in der Weiterbildung. Nämlich genau dort, wo die Zusammenarbeit alte Routinen verlässt und neue Möglichkeiten ausprobiert werden. Dort wo sich viel verändert, entsteht zwangsläufig auch der Bedarf die für die Veränderung notwendigen Kompetenzen zu erlernen oder bestehende Kompetenzen zu erweitern. Ein Beispiel: Mitte April 2020 erhielt ich innerhalb eines Tages, vier voneinander unabhängige Anfragen für je einen Workshop mit der Überschrift „Führen auf Distanz“. Wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass zu diesem Zeitpunkt eine Vielzahl der Mitarbeitenden bereits im Homeoffice waren, lässt sich hier eindeutig der Zusammenhang zwischen Veränderung (Arbeit im Homeoffice) und dem Schulungsbedarf („Führung auf Distanz“ oder „Virtuelle Führung“) herstellen.

Wenn „so wie immer machen“ plötzlich keine Option mehr ist, dann können wir unser Verhalten in kurzer Zeit grundlegend ändern. Um zeitnah eine hohe Exzellenzstufe im neuen Verhalten sowie ein neues einheitliches Vorgehen im Unternehmen zu erlangen, benötigt es Schulung.  

Was wünschen wir uns?

In Bezug auf die Haltung zur Weiterbildung wünschen wir uns, dass das Prinzip „One size fits all“ für moderne Weiterbildungsangebote*nicht gelten kann. Wir wünschen uns, dass Wissen geteilt wird – dass das klassische „Silodenken“ ein Ende findet, um den Unternehmen den vollen Zugang zum Know-how seiner Mitarbeitenden zu erlauben. Wir wünschen uns, dass Modelle entstehen, in denen durch unternehmerische Kooperationen auch kleinere Unternehmen mit geringeren Weiterbildungsbudgets Zugang zu professioneller und moderner Weiterbildung erhalten. Wir wünschen uns, dass es zur Normalität wird, gerne und viele Weiterbildungsangebote an die Mitarbeitenden zu richten. Wir sehen in der Weiterbildung in vielerlei Hinsicht großen Nutzen – hier nur einige Schlagworte:

  • (Weiter-)Qualifizierung
  • Kompetenzerweiterung
  • Wissenstransfer (Unter den Mitarbeitenden auch generationenübergreifend)
  • Personalentwicklung (bestmöglich planvoll und zielgerichtet)
  • Mitarbeiterbindung
  • Vernetzung
  • Verbesserung der Unternehmenskultur
  • Transformation von Mission und Vision

Konkrete Anforderungen an die Weiterbildung

Konkret wünschen wir uns, dass Weiterbildungsangebote zeitlich und örtlich flexibler werden. Sodass, die Mitarbeitenden selbst entscheiden können, wann sie auf Weiterbildungsangebote zugreifen. Es soll ihnen möglich sein, entsprechend ihrem Bio-Rhythmus sowie ihrer individuellen Lern­geschwindigkeit lernen zu können. Es ist wünschenswert, wenn ein solches Angebot auf Plattformen zur Verfügung gestellt wird, die möglichst intuitiv bedient werden können und ein Lernerlebnis bieten, dass als attraktiv wahrgenommen wird. Wir wünschen uns einen höheren Individualisierungsgrad. Das meint beispielsweise eine personalisierte Lernumgebung, die dem Mitarbeitenden zeigt, dass er hier sein individuelles Angebot erhält. Wir wünschen uns clevere didaktische Lösungen, die einen hohen Praxistransfer ermöglichen.

Wir wünschen uns auch weiterhin Weiterbildungen mit physischer Präsenz der Mitarbeitenden. Wir nehmen wahr, dass die Arbeit miteinander – vielleicht auch in einer neutralen Umgebung – noch intensiver ist, im Kontext mit dem Thema sogar die erste Wahl bleibt. Wir sehen die Möglichkeit, einen Präsenzworkshop durch ein vor- und/oder nachgelagertes Onlineangebot noch zu veredeln. So können die Mitarbeitenden vorab auf ein einheitliches Informationslevel gebracht und auf den Präsenzteil vorbereitet werden. Im Nachgang könnte über ein Onlineangebot der Praxistransfer erleichtert und begleitet werden.

Wir wünschen uns, dass sich unsere Mitarbeitenden selbstorganisiert weiterbilden.

Wir wünschen uns flexible und individualisierte Weiterbildungsangebote (on-/wie offline) mit effektivem Zeitmanagement.   

Wozu verpflichten wir uns als Führungskräfte selbst?

Wir wollen die Sinnhaftigkeit des Lernens aufzeigen und die Freude am Lernen fördern – ganz in Sinne von Antoine de Saint-Exupéry:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen,
um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.“

Wir wollen Optimismus verbreiten, dass sich die vielfältigen Herausforderungen unserer VUCA-Welt angstfrei bewältigen lassen, wenn wir den fortschreitenden Wandel akzeptieren, neugierig sind und unseren Drang nach persönlicher Entwicklung nutzen.

Wir wollen auch im Kontext Weiterbildung die Selbstverantwortung und die Selbstwirksamkeit unserer Mitarbeitenden fördern.

Und zu guter Letzt, das wohl wichtigste: Wir wollen mit unserem Weiterbildungsverhalten unseren Mitarbeitenden ein Vorbild sein, dem sie folgen können und wollen.